Soeben erschienen (Korso 02/09):
Studenten-Sex
Um die Fixkosten für das Wohnen zu senken, beschließen sie zusammenzuziehen, sie sagt ihm, dass sie ihn liebe, er sagt ihr, dass er sie „schon auch sehr gern habe oder Ähnliches, es war die ideale Beziehung“. Die Handlung spielt in einer Stadt ohne Namen, die ziemlich stark an Graz erinnert. Die Zweierbeziehung erweitert sich schnell um einige Personen, die mehr oder weniger übersichtlich, jedenfalls durcheinander, Sex haben. In den dazwischen liegenden Pausen gehen sie auf die „Uni“, die Wohngemeinschaftleute sind Studenten, mit Job, oder auf Jobsuche.
Was sie außerdem, sozusagen „zwischen den Zeilen“, suchen, wird nicht so ganz klar. Gelingt ihnen Emanzipation, da sie glauben, sich von ihren Müttern oder Vätern emanzipiert haben?
Aber die Stories sind nicht die Hauptsache dieses Buches. Nicht die Variationen von Sex, von denen es viele verschiedene gibt. Auch nicht die politische Dimension, das „Anarchogetue“, wie die Autorin schreibt. Der Kernpunkt dieser Erzählung ist die Sprache, die Darstellung der jungen Generation in ihrer eigenen Sprache.
Dass Andrea Stift auch anders schreiben kann, hat sie in ihrem Buch „Reben“ (Klagenfurt 2007) gezeigt, der Skizze ihrer südsteirischen Familie über fast ein Jahrhundert. In „Klimmen“ konzentriert sie sich auf den Jargon der jungen Leute, die sich scheinbar nur dem Augenblick widmen, die sich den Luxus zu leisten scheinen, nur den Fick der vorherigen Nacht oder des nächsten Morgens im Kopf zu haben. „Klimmen“ hängt mit klammern, mit klemmen zusammen – Pflanzen „klimmen“, können Personen das vielleicht auch?
Es gelingt der Autorin eine hastige Erzählung, deren kurze, teils kurzatmige Kapitel sich mosaikartig zusammenfügen, Stücke eines Puzzles. Da ist eine Gruppe von jungen Leuten mit viel Promiskuität, wie man sagt, und da ist eine Geschichte darüber mit vielen Sätzen. Die Ich-Erzählerin klingt nicht nur authentisch, sondern lässt Zwischentöne zu, aus denen klar wird, dass das augenblickliche Leben ein spielerischer Versuch oder sogar eine Suche ist, auf jeden Fall ein literarisch gelungenes, sehr lesenswertes Stück über unsere Gegenwart.