die gefahren des online. ein versuch, fragment oder aber auch ein hirngewichse.

unlängst, aus einem gespräch zwischen zwei redaktionshilfssheriffs einer bekannten überregionalen literaturzeitschrift:

A: “ganz schöne gedichte, aber…”

B: “ja?”

A: “ich hab mir die mühe gemacht, und den verfasser gegoogelt.”

B: “ja?”

A: “und die sind doch schon alle online, die gedichte!”

B: “ja?”

A: “und da muss man schon ein bisschen streng sein. ich meine: so geht das nicht.”

B (ehrfürchtig): “ja!”

seitdem trau ich mich natürlich noch weniger, irgendetwas online zu stellen. bis auf dieses eine gedicht, für das ich so schöne rückmeldungen bekommen habe, dass ich es meiner stetig wachsenden fangemeinde nicht vorenthalten werde. außerdem wird es nirgends erscheinen, vor allem nicht in jener bekannten, überregionalen literaturzeitschrift und schon gar nicht in meinem nächsten buch, von dem ich noch nicht weiß, wann es publiziert geworden sein wird. weil es ist nämlich lührik. alas:

 

wir haben uns die straße

hererfunden

hier ist es immer eine stille nacht

in deinen wassertrüben augen seh ich

was mich vermutlich bald

unglücklich macht

in meinem blutkreislauf schwimmt

eine drossel

an einer deiner schläfen klopft ein specht

wenn die sich spüren könnten hier im dunkeln

sie vögelten

nicht schlecht

wir zeichnen uns mit nebel

eine sonne

am horizont quillt heller frühlingsschaum

auf dieser hererfundnen straße

geht es nur vorwärts

zurück geht es kaum

3 Kommentare zu „die gefahren des online. ein versuch, fragment oder aber auch ein hirngewichse.“

  1. Öre Tülsn sagt:

    bin sowas von entzückt davon!
    freude, freude, freude!

  2. marcus sagt:

    sehr interessant. macht lust auf mehr… gibt es mal was zu lesen aus deinem lührik-band-manuskript?

  3. Admin sagt:

    ja. geplant: 2015.

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